Die Grande Citadelle de Monthoux

Die Lehmstadt im Wald: unterwegs zur Grande Citadelle de Monthoux

··
🇨🇭Schweiz
·
WaadtBière

Wenn diese Festung zum ersten Mal in einem Onlinefeed auftaucht, hält man sie leicht für eine mit künstlicher Intelligenz erzeugte Fantasy-Skizze. Die verschachtelten Türme, die unwahrscheinliche Fülle an Details, die vielen kleinen Geschichten im Gemäuer — nichts davon wirkt ganz plausibel. Der Eindruck ist der einer riesigen Märchenburg, irgendwo zwischen Gotik und den architektonischen Fantasien Gaudís.

Die Wirklichkeit ist noch überraschender. Die Zitadelle existiert tatsächlich, sie ist leicht zu finden, und sie ist deutlich kleiner, als die Fotos vermuten lassen. Ausserdem liegt sie nur rund eine halbe Autostunde von Morges entfernt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwa anderthalb Stunden.

Genau deshalb fällt der Entschluss, sie in echt anzuschauen, praktisch von selbst. Und die Realität erweist sich als interessanter als die Fotos: Erst vor Ort wird deutlich, wie viele kleine Details, Figuren und eigenständige Szenen hier untergebracht sind.

Hier das vollständige Bild — was die Zitadelle ist, wie sie entstand und was man vor einem Besuch wissen sollte.

Die Grande Citadelle de Monthoux
Die Grande Citadelle de Monthoux

Was die Grande Citadelle de Monthoux ist

Die Grande Citadelle de Monthoux ist keine alte Festung, sondern eine zeitgenössische fantastische Skulpturenstadt, die der Schweizer Künstler François Monthoux in einem Waldstück beim Dorf Bière im Kanton Waadt errichtet, unweit der Strasse zum Marchairuz-Pass. Der Name bedeutet «Grosse Zitadelle von Monthoux» — Monthoux ist dabei der Familienname des Künstlers, kein Ortsname.

Was dort steht, ist eine wachsende Miniaturhauptstadt: gotische Türme, Kathedralen, Brücken, Bögen, Häuser und Hunderte kleiner Details. Kunsthistorisch lässt sie sich als monumentale Skulptur im Naturraum oder als Land-Art einordnen, auch wenn der Künstler selbst sie in erster Linie als materielle Verkörperung seiner eigenen Vorstellungswelt versteht.

Teil der Grande Citadelle de Monthoux
Teil der Grande Citadelle de Monthoux

Wie sie entstand

Die Geschichte beginnt im Sommer 2022. Eine schwere Dürre hatte den Pegel des Flusses Toleure sinken lassen, und Monthoux begann, am Ufer eine Stadt zu modellieren — aus Lehm, den er direkt im Flussbett fand. Einen Gesamtplan gab es nicht. Er fing mit einer kleinen Treppe auf einem Stein an und fügte dann intuitiv Türme, Strassen, Brücken und Befestigungen hinzu; diese erste Zitadelle formte er praktisch ohne Werkzeug, mit blossen Händen.

Diese Fassung war bewusst vergänglich. Als der Regen zurückkehrte, stieg das Wasser und löste die Stadt allmählich auf. Für Monthoux war dieses Verschwinden Teil des Konzepts: die der Materie gegebene Form kehrte zur Natur zurück.

Dennoch reiste die erste Zitadelle weit, bevor sie zerfiel. Erst lokale, dann nationale Schweizer Medien griffen das Thema auf; Nachrichtenagenturen und Fernsehsender trugen die Geschichte anschliessend bis nach China, in die USA und nach Mexiko — ein wesentlicher Grund dafür, dass es die zweite, haltbarere Version überhaupt gibt.

Die Arbeiten an der heutigen Grande Citadelle de la Création begannen am 5. und 6. Mai 2023 an einem bewaldeten Hang oberhalb von Bière. Diesmal ist der Lehm mit Zement verstärkt; einzelne Elemente enthalten zusätzlich eine innere Armierung und Hilfsmaterialien. Dadurch übersteht das Bauwerk Regen, Frost und mehrere Winter — ein gewöhnliches, dauerhaftes Gebäude ist es dennoch nicht.

Entstehungsort der Grande Citadelle de Monthoux
Entstehungsort der Grande Citadelle de Monthoux

Die Zitadelle entsteht ohne endgültigen Gesamtplan. Monthoux reagiert auf die Form des Hangs, den Stand der Bäume und die Vegetation: Türme scheinen aus dem Boden zu wachsen, Konstruktionen umgehen natürliche Hindernisse, und manche Hohlräume bleiben bewusst als Lebensraum für Eidechsen und Mäuse frei. Laufend kommen neue Gebäude, Figuren und Erzählungen hinzu.

Individual structures of the Grande Citadelle de Monthoux_2.HEIC
Individual structures of the Grande Citadelle de Monthoux_1.HEIC
Einzelne Bauwerke der Grande Citadelle de Monthoux

Was die Architektur bedeutet

Die wichtigste visuelle Quelle sind gotische Kathedralen und mittelalterliche Ikonografie. Der Künstler vergleicht seine aufstrebenden Türme mit Bäumen: beide streben zum Licht. Der zentrale Baukörper liest sich deshalb gleichzeitig als Kathedrale, Tropfsteinhöhle, Termitenbau und märchenhafte Megastadt.

Die Details sind dabei kein blosses Beiwerk. Sie bilden eine ganz eigene philosophische Privatmythologie:

  • der Einsiedler mit der Laterne steht für die Einsamkeit, die das Denken braucht;

  • die Träger verkörpern das Gewicht angehäuften Wissens und angehäufter Kultur;

  • die Konfrontation zwischen «Ich will» und dem Ungeheuer «Du sollst» verweist auf den inneren Konflikt zwischen Freiheit und auferlegten Regeln;

  • der Turm des Narren zeigt eine Gestalt, die am Rand des Abgrunds tanzt, ohne die Gefahr zu bemerken;

  • anderswo in der Stadt tauchen Kaiser, Drachen, gefallene Wesen, Gelehrte und Musiker auf.

Informationen über die Grande Citadelle de Monthoux
Informationen über die Grande Citadelle de Monthoux

Auch die Ausrichtung spielt eine Rolle. In der ersten Zitadelle im Flussbett richtete der Künstler bestimmte Figuren auf Orte seines eigenen Lebens aus — der Narr zum Berg, der Einsiedler zu seinem Heimatdorf, der Professor nach Lausanne, wo er studiert hat. Diese Gewohnheit, Geografie mit Bedeutung aufzuladen, setzt sich in der Waldfassung fort.

Die Zitadelle versteht man deshalb weniger als Modell einer bestimmten mittelalterlichen Stadt denn als räumliches Selbstporträt: Die Architektur kartiert Gedanken, Widersprüche, Mythen und Fantasien ihres Urhebers.

Fantasy sculpture at the Grande Citadelle de Monthoux_4.HEIC
Fantasy sculpture at the Grande Citadelle de Monthoux_3.HEIC
Fantasy sculpture at the Grande Citadelle de Monthoux_2.HEIC
Fantasy sculpture at the Grande Citadelle de Monthoux_1.HEIC
Fantasieskulptur in der Grande Citadelle de Monthoux

Wer François Monthoux ist

François Monthoux ist ein Schweizer Künstler und Bildhauer aus Bière, Mitte der 1990er-Jahre geboren und in genau dem Dorf aufgewachsen, in dem heute die Zitadelle steht. Er ist weitgehend Autodidakt und arbeitet in mehreren Medien zugleich — Malerei, Zeichnung, Skulptur, Video, Figurenbau und Computerspielwelten — gespeist von einem Interesse an Geschichte, Biologie, Philosophie und Psychologie.

Seine Fantasiewelten beschreibt er als bevölkert von mittelalterlichen, esoterischen und fantastischen Wesen. Als Bezugspunkte nennt er gotische Architektur, Tolkien und Gaudí; die Organisation seiner Stadt bringt er mit der Beobachtung von Ameisen und anderen lebenden Systemen in Verbindung. Insekten faszinieren ihn nach eigener Aussage dauerhaft.

Das Interesse an Miniaturzivilisationen ist weit älter als die Zitadelle. Schon als Jugendlicher fertigte er Tausende winziger Figuren aus Fimo-Modelliermasse an und erfand für sie Völker, Religionen, Armeen und eine politische Geschichte. Die Grande Citadelle ist diese jahrzehntealte fiktive Welt, vergrössert und in eine reale Landschaft versetzt.

Das Ergebnis ist zugleich Skulptur, Architekturfantasie, persönliche Mythologie und fortlaufender künstlerischer Prozess — ein Werk, das nie fertiggestellt wurde, sondern mit dem Wald weiterwächst. Die sozialen Medien haben das bemerkt: Clips der Zitadelle kommen auf Hunderte Millionen Aufrufe, auch wenn der Künstler in der Schweizer Presse offen sagte, dass sich virale Aufmerksamkeit nicht ohne Weiteres in Einkommen übersetzt.

Die Zitadelle ist im Übrigen nicht sein einziges Bauwerk dieser Art — ein zweites fantastisches Objekt, die Forteresse des Ancolies, beschäftigt ihn parallel.

Kontakte von François Monthoux
Kontakte von François Monthoux

Das Buch: La Citadelle du chien fou

Das Buch trägt den Titel La Citadelle du chien fou — sinngemäss «Die Zitadelle des tollen Hundes». Es ist im Selbstverlag von François Monthoux erschienen, der Text und Illustrationen selbst geschaffen hat. Es umfasst rund 190 Seiten. Der Autor verkauft es direkt vor Ort neben der Grossen Zitadelle für 40 Schweizer Franken; im Onlineshop ist es mit 43 Euro ausgezeichnet.

Das Buch „La Citadelle du chien fou“
Das Buch „La Citadelle du chien fou“

Was für ein Buch es ist

Es ist weder ein Reiseführer noch ein gewöhnlicher Bildband über die Skulptur. Am treffendsten beschreibt man es als illustriertes Künstlerbuch — eine Mischung aus philosophischer Reflexion, fantastischer Literatur, persönlicher Mythologie, Texten über Schaffen, Träume und den Aufbau der Gesellschaft sowie Zeichnungen aus Monthoux' Vorstellungswelt.

Im Vorwort schreibt der Autor ausdrücklich, das Buch solle helfen, einzelne Elemente der Skulptur und generell seine Denkweise besser zu verstehen. Als zentrale Themen nennt er das Zusammenspiel von Ordnung und Chaos, die Vielzahl von Wesen, die einen einzigen Organismus bilden, die Wandelbarkeit von Formen und Bedeutungen, Sprache, Kunst, Einsamkeit und das Leben inmitten vieler anderer.

Wie Buch und Zitadelle zusammenhängen

Buch und Skulptur sind zwei Formen ein und derselben künstlerischen Welt.

In der Skulptur sind Monthoux' Ideen materiell ausgedrückt: durch Türme, Übergänge und Figuren — den Einsiedler, die Träger, den Narren, das Ungeheuer «Du sollst», die Wesen und Kampfszenen. Er baut intuitiv, ohne vorab entworfenen Architekturplan, und deutet die entstandenen Formen anschliessend als Symbole von Wille, Schöpfung, Erkenntnis und innerem Konflikt.

Im Buch erhalten dieselben Ideen eine sprachliche und grafische Erläuterung. Monthoux selbst schreibt auf der Seite zur Publikation, das Buch sage «viel» über seine Grosse Zitadelle aus und die Lektüre gewinne nach einem Besuch des Bauwerks an Sinn. Man kann es deshalb als inneren Führer durch das Bewusstsein des Autors lesen, nicht als technische Beschreibung, wo welcher Turm steht.

Die Illustrationen entstanden 2025, parallel zur Arbeit an der Grande Citadelle und an der Forteresse des Ancolies. Er führte sie in der Manier seiner «Traumzeichnungen» aus: leichte Bleistiftskizze, schwarzer Filzstift und mit Wasser verdünnte Gouache.

Illustrations for the book “La Citadelle du chien fou”_2.HEIC
Illustrations for the book “La Citadelle du chien fou”_1.HEIC
Illustrationen für das Buch „La Citadelle du chien fou“

Was «chien fou» bedeutet

Eine wichtige Klarstellung: La Citadelle du chien fou ist nicht der offizielle Name der Waldskulptur. Das Bauwerk im Freien heisst Grande Citadelle de Monthoux; daneben verwendet der Künstler die Bezeichnung Grande Citadelle de la Création — «Grosse Zitadelle der Schöpfung».

Der Ausdruck chien fou, «toller Hund», gehört eher zur literarischen und persönlichen Mythologie des Buches. Am Ende des veröffentlichten Vorworts schreibt Monthoux, der Text sei der Gedanke eines Menschen, der «nach dem Tod seiner Freunde — der Hunde» habe handeln müssen. Das lässt eine persönliche, womöglich gedenkende Dimension im Titel vermuten. In der öffentlich zugänglichen Beschreibung erklärt er allerdings nicht, welche Hunde gemeint sind und ob der «Tolle Hund» eine eigenständige Figur ist.

Die Skulptur zeigt die Welt also von aussen, während das Buch sie von innen öffnet: Man liest es nicht wegen einer chronologischen Baugeschichte, sondern um die Symbole, die Stimmung und die Philosophie zu verstehen, aus denen die Zitadelle hervorgeht.

Haupttor der Grande Citadelle de Monthoux
Haupttor der Grande Citadelle de Monthoux

Praktische Informationen

Name

Grande Citadelle de Monthoux

Künstler

François Monthoux

Koordinaten

46.55482, 6.31948

Adresse des Künstlerladens

Route des Montagnes 2, 1145 Bière

Website

francois-monthoux.ch

Eintritt

Kostenlos

Geöffnet

Ganzjährig, ohne feste Zeiten

Blick auf die Grande Citadelle de Monthoux vom Weg aus
Blick auf die Grande Citadelle de Monthoux vom Weg aus

Anreise

Mit dem Auto. Von Morges Richtung Bière fahren, dann im Dorf der Route du Marchairuz in Richtung Pass folgen. Bière liegt rund 17 km und etwa 18 Fahrminuten von Morges entfernt; mit dem Anstieg zum Standort sollte man von Morges aus rund 25 bis 30 Minuten einrechnen. Im Navigationsgerät sucht man am besten nach «Grande Citadelle de Monthoux» oder gibt Route du Marchairuz, 1145 Bière ein. Die Abzweigung liegt nur zwei Kurven oberhalb des Dorfes.

Einen richtigen Parkplatz gibt es unmittelbar bei der Skulptur nicht. Entlang der Route du Marchairuz finden sich einige kleine Abstellmöglichkeiten, von denen aus noch etwa fünf Minuten Fussweg bis zur Zitadelle bleiben. Da selten viele Besucher gleichzeitig eintreffen, findet sich fast immer ein Platz. Häufig steht dort auch das Auto des Künstlers selbst — was eine echte Chance bietet, ihn zu treffen und Fragen direkt zu stellen.

Schild zur Grande Citadelle de Monthoux
Schild zur Grande Citadelle de Monthoux

Ohne Auto. Vom Bahnhof Morges fährt die MBC-Bahn in rund 31 Minuten nach Bière; das Tourismusbüro Morges empfiehlt genau diese Verbindung. Vom Bahnhof Bière sind es weitere 30 bis 45 Minuten zu Fuss, wobei der letzte Abschnitt zur Route du Marchairuz hinaufführt. Dieser Schlussteil ist für Fussgänger nicht besonders angenehm: Es gibt weder Trottoir noch abgetrennten Weg, ein Teil der Strecke verläuft auf der Fahrbahn durch Kurven mit schlechter Sicht. Deshalb vorsichtig und bei Tageslicht gehen.

Road to the Grande Citadelle de Monthoux_1.HEIC
Road to the Grande Citadelle de Monthoux_2.HEIC
Weg zur Grande Citadelle de Monthoux

Was man vor Ort erwerben kann

Wer das Glück hat, François Monthoux anzutreffen, kann ihm Arbeiten rund um die Zitadelle abkaufen — das Buch La Citadelle du chien fou, sein eigenes Tarot, Zeichnungen und kleine Skulpturen. Einen festen Souvenirladen gibt es bei der Festung nicht, das Angebot ist also als wechselnd zu betrachten. In den letzten Saisons war in der Nähe zudem eine Ausstellung seiner Illustrationen zu sehen.

Die Grande Citadelle de Monthoux auf dem Gemälde
Die Grande Citadelle de Monthoux auf dem Gemälde

Neben einem Kauf lässt sich das Projekt auch einfach mit einer Spende unterstützen — im offiziellen Shop gibt es eine Option ab 10 €, das Geld fliesst in den weiteren Bau der Zitadelle.

Donation to the creator of the Grande Citadelle de Monthoux
Donation to the creator of the Grande Citadelle de Monthoux
Tip Jojo.is...

Ein Besuch der Grande Citadelle de Monthoux gelingt besser, wenn man einiges beachtet — es handelt sich eher um einen künstlerischen Waldplatz als um eine gewöhnliche Sehenswürdigkeit.

  • Mindestens 45 bis 60 Minuten einplanen. Die Zitadelle selbst ist rasch umrundet, aber der Sinn liegt im Detail: in Figürchen, Türmen, Brücken und kleinen Szenen. Wer fotografiert und die Symbolik betrachtet, verbringt hier leicht anderthalb Stunden. Der Künstler hat bewusst eine Vielzahl einzelner Figuren und bedeutungstragender Elemente geschaffen.

  • Im Sommer eher gegen Abend kommen. Das rät Monthoux selbst: Der Ort ist recht offen, und die Mittagssonne kann kräftig sein. Im Winter empfiehlt er den frühen Nachmittag, bevor die Sonne hinter Bäumen und Bergen verschwindet.

  • Nach Regen auf Schlamm einstellen. Von der Strasse führt ein kurzes Stück Kies- beziehungsweise Waldweg zur Zitadelle, geschlossene, bequeme Schuhe sind daher besser als Stadtschuhe. Von den kleinen Abstellplätzen sind es etwa fünf Minuten zu Fuss.

  • Parkraum ist sehr knapp. Das ist kein Touristenparkplatz, sondern nur eine Handvoll Plätze entlang der Route du Marchairuz. Am Wochenende lohnt es sich, früh zu kommen oder etwas Suchbereitschaft mitzubringen.

  • Der Eintritt ist frei, das Gelände immer zugänglich. Nach dem aktuellen Stand für 2026 ist der Besuch kostenlos, ohne Tickets und feste Öffnungszeiten.

  • Mit Kindern ist der Besuch möglich. Für Veranstaltungen auf dem Gelände wird der Ort als geeignet ab drei Jahren und kinderwagentauglich ausgewiesen, nicht aber als rollstuhlgängig. Es bleibt natürliches Gelände, mit kleinen Kindern ist der unebene Untergrund also einzurechnen.

  • Nicht sofort die Gesamtansicht fotografieren. Besser zuerst die Zitadelle von verschiedenen Seiten umrunden. Aus unterschiedlichen Höhen wirkt sie völlig anders, und viele Figuren und Szenen werden erst aus der Nähe sichtbar. Das ist hier besonders wichtig, weil der Künstler die Stadt intuitiv anlegt und ihre Teile erst danach mit Archetypen verknüpft — dem Einsiedler, den Trägern, dem Narren, dem Gegensatz von «Ich will» und «Du sollst».

  • Trifft man François Monthoux an, lohnt sich ein Gespräch. Das Projekt entwickelt sich weiter, und der Künstler arbeitet oft direkt vor Ort; Besucher berichten regelmässig von solchen Begegnungen. Verlassen sollte man sich darauf natürlich nicht.

  • Nicht automatisch mit nächtlicher Beleuchtung rechnen. Im Internet kursieren viele eindrucksvolle Nachtaufnahmen. Beleuchtungsabende gab es tatsächlich — angekündigt etwa für Freitage und Samstage bestimmter Monate — sie sind jedoch terminiert und nicht dauerhaft. Wer die nächtliche Version sehen will, prüft besser vorab die aktuellen Ankündigungen des Künstlers.

  • Und vor allem: kein fertiges Museumsobjekt erwarten. Monthoux baut seit Mai 2023 weiter. Fotos, die nur wenige Monate auseinanderliegen, können sich unterscheiden: Ständig kommen neue Teile, Figuren und Konstruktionen hinzu.

Die Grande Citadelle de Monthoux im Wald
Die Grande Citadelle de Monthoux im Wald
Photo Tip Jojo.is...

Für die Fotografie ist das Ende des Tages die beste Zeit für einen Besuch der Zitadelle, wenn die tief stehende Sonne ihre zahlreichen Türme und kunstvollen Details wunderschön hervorhebt. Der Künstler selbst empfiehlt diese Zeit im Sommer. Wenn Sie den Ort mit möglichst wenigen Besuchern erleben möchten, wählen Sie einen Wochentag und vermeiden Sie die Wochenendnachmittage. Im Winter ist es besser, am frühen Nachmittag anzukommen, bevor die Sonne hinter dem Wald und dem Berghang verschwindet.

Nur wegen «einer Burg für ein schönes Foto» herzufahren, verfehlt den Kern. Die Gesamtansicht beeindruckt, doch wirklich spannend wird es, wenn die Dutzenden kleinen Geschichten im Innern des Bauwerks in den Blick geraten. Genau deshalb wirkt die Zitadelle vor Ort ganz anders als auf Bildern. Oft ist überhaupt kein anderer Besucher da, sodass man in Ruhe umhergehen, sitzen und die Grande Citadelle de Monthoux aus allen Blickwinkeln betrachten kann.

Fahrt, Spaziergang und Besichtigung hinterlassen einen sehr positiven Eindruck. Bleibt die naheliegende Frage: Wie wird dieser Ort in ein paar Jahren aussehen?

Jojo.is... wenn die Fantasie eine riesige Burg gemalt hat,und sie sich als viel kleiner herausstellt, aber umso interessanter.

Auch verfügbar in

Tags

Teilen

Jojo.is...
Jojo.is...

Jojo is Joyful Journeys!