
Trubschachen und das Kambly Erlebnis: ein Tag im alten Emmental
Wer vom Stadtleben müde ist und Ruhe, klare Luft, schöne Architektur, gastfreundliche Menschen – und zum Abschluss etwas ausgesprochen Feines – sucht, ist im emmentalischen Trubschachen (Kanton Bern) richtig. Das Dorf hat eine wirklich interessante Geschichte, berühmt geworden ist es aber durch das Kambly Erlebnis. Der Reihe nach.
Nach Trubschachen fährt man nicht wegen einer Liste von «Sehenswürdigkeiten», sondern wegen des alten Emmentals: Holzhäuser, Handwerk, Landgeschichte und Landschaft. Das Dorf liegt auf 731 m, dort wo die Trub in die Ilfis mündet, an der alten Verbindung zwischen Bern, dem Emmental und Luzern.

Der historische Dorfrundgang
Wer die Geschichte sehen will, geht den offiziellen Dorfrundgang durch den Dorfkern. Er dauert rund 45 Minuten und führt an 13 Gebäuden beziehungsweise Baugruppen vorbei – eine gute Möglichkeit, klassische Emmentaler Architektur ohne Museum und ohne Führung zu erleben.
Die zugehörige Broschüre ist bei der Gemeindeverwaltung (Dorfstrasse 2) und im Kambly Erlebnis erhältlich sowie als kostenloses PDF auf der Gemeinde-Website (trubschachen.ch → Freizeit → Erleben und geniessen → Dorfrundgang). Der Rundgang beginnt beim Bahnhof und endet bei der Mühle an der Mühlestrasse – wenige Schritte vom Kambly Erlebnis entfernt, womit sich der Tagesablauf fast von selbst ergibt.
Ein kleiner Auftakt gleich zu Beginn: Beim Bahnhof steht seit 1997 «Die Reisende», eine Frauenfigur des Churer Bildhauers Robert Indermaur.

Die 13 Stationen der Reihe nach
1. Bahnwärterhäuschen, Dorfstrasse 26, um 1875. Ein schmaler, schindelverkleideter Ständerbau an der Bahnlinie mit leicht vorkragendem Obergeschoss; 2011/12 in Absprache mit der kantonalen Denkmalpflege renoviert. Das Häuschen stammt aus den Jahren, in denen die Linie Bern–Luzern das Dorf erreichte (1875).
2. Seilerei Jakob AG, Dorfstrasse 28, um 1908. Ein zweieinhalbgeschossiger Ständerbau mit flachem Schopfwalmdach und schmiedeeisernem Balkongeländer. Hans Jakob gründete die Seilerei 1904 und stellte bis 1953 vor allem Hanf- und Juteseile für die Bauern her, dann kam das Stahlseil. In den 1920er-Jahren verlief entlang der Bahnlinie eine fast 140 m lange Seilerbahn. Heute ist die Firma als Jakob Rope Systems weltweit tätig. Vor dem Gebäude steht seit 2009 die Skulptur «Jakob Tensegrity Torus» – von der Strasse aus kaum zu übersehen.

3. Gasthof Hirschen, Dorfstrasse 36, um 1872. Ein reich geschmückter Gasthof: ein vierachsiger verputzter Riegbau mit bemaltem Ründigiebel und Untersicht, üppig verzierten Gesimsen und Balkon. Um 1870 kaufte der Langnauer Metzger Niklaus Blaser das Grundstück, um hier das «Hotel Bahnhof» zu errichten – der Bahnhof kam dann aber an einen anderen Ort, und so entstand der «Hirschen». Seit 1932 ist er in den Händen der Familie Soltermann.
4. Baugruppe Hasenlehn – eine historische Hofgruppe und eines der schönsten Ensembles traditioneller Emmentaler Architektur im Dorf.
4a – Speicher, Hasenlehn 91, um 1683. Blockbau mit Knickgiebeldach, zurückversetzter Laube, Kielbogentüren und reich verzierter Blendfassade.
4b – Doppelbauernhaus, Hasenlehn 92, um 1737, im 19. Jahrhundert erneuert. Ein ungewöhnlich breiter Ständerbau mit symmetrischer achtachsiger Stirnfassade.
4c – Stöckli, Hasenlehn 93, um 1760 und 19. Jahrhundert. Ein schlichter, klar gegliederter Riegbau mit rosa gestrichenen Sandsteinfüllungen.

5. Häusergruppe Heimatmuseum, Hasenlehnmattestrasse 1, 3, 3A – die Gruppe des Heimatmuseums, getragen von der Stiftung Hasenlehn. (Wichtig: Dies ist eine eigene Station und nicht identisch mit der Baugruppe Hasenlehn unter Nr. 4, auch wenn die Namen ähnlich klingen.) Gezeigt wird, wie die Emmentaler Bauernfamilien zur Zeit Jeremias Gotthelfs lebten, dazu alte Handwerke: Käserei, Nagelschmiede, Sattlerei und Schuhmacherei.
5a – Bauernhaus, Mitte 19. Jahrhundert. Eine Besonderheit sind die zwei Stirnfassaden: Beim Umbau 1981 wurde der ursprüngliche Ökonomieteil auf der Südseite durch eine zweite Stirnfassade ersetzt, damit die Gruppe als vorbildlicher Bauernhof lesbar wird. Heute befinden sich hier eine Schautöpferei und ein Café-Restaurant.
5b – Stöckli, 1783. 1978 aus dem Weiler Steinbach hierher versetzt; ein Ständerbau unter schindelgedecktem Schopfwalmdach mit ausgezeichneter sechsachsiger Stirnfassade und Inschriften im Obergeschoss und im Giebel.
5c – Speicher, 1785. 1974 aus Lauperswil hierher versetzt, mit reich gestalteter Blendfassade und Laubenarkaden; die Bauinschrift von 1785 befindet sich noch über der Erdgeschosstür.

6. Himmelhaus, Dorfstrasse 37, um 1738. Das schönste Haus am Weg: Unter der Ründi ist ein Himmel mit Sonne, Mond und Sternen aufgemalt – daher der Name –, daneben eine herrschaftliche Akanthusmalerei. Erbaut wurde es vom Kaufmann Peter Jenni; 1796 ging es an Johannes Mauerhofer über, 1923 an die Familie Neuenschwander; renoviert 1967 und 1984.

7. Drei Bauten im Schweizer Holzstil («Laubsägelistil») – jener Stil, der sich von etwa 1850 bis zum Ersten Weltkrieg verbreitete. Zu beachten sind die geschnitzten Lauben, Gesimse und der aufgesetzte Holzschmuck.
7a – Wohn- und Geschäftshaus, Dorfstrasse 19, um 1880. Ein verputzter Ständerbau mit Brettlisenen, horizontalen Gurten, rückwärtiger Laube mit Zierbrüstung und farbigen Ätzglasscheiben.
7b – Bählerhaus, Dorfstrasse 15, 1907. Erbaut von Zimmermeister Friedrich Frei und weitgehend im Originalzustand erhalten, mit Lauben auf der Giebel- und der Traufseite; die Fassaden wurden 1996 restauriert. Früher befand sich hier der Laden von Christian Bähler-Jakob.
7c – Krämerhaus, Dorfstrasse 7, 1890 (möglicherweise 1898), östlich der Trubbrücke. Ein verputzter Ständerbau unter Kreuzfirst-Giebeldach mit besonders aufwendiger dreigeschossiger Blendfassade: Laubenarkaden, Doppelständer und dekorativ ausgesägte Brüstungen. Über lange Zeit diente das Haus als Schuhgeschäft; die offizielle Broschüre bezeichnet es als den schönsten Bau im Schweizer Holzstil im Dorf.
8. Wohn- und Geschäftshaus, Dorfstrasse 11, 1850. Ein markanter verkleideter Ständerbau in der Gabelung von Trubstrasse und Dorfstrasse, mit Ründi auf beiden Seiten. Historisch die interessanteste Adresse des Rundgangs: Hier führte der junge Oscar Kambly seine Bäckerei, bevor er 1910 die Firma Kambly gründete. Der ursprüngliche Backofen steht heute in der nachgebauten Backstube im Kambly Erlebnis.
9. Mauerhoferhaus, Dorfstrasse 16, um 1750. Erster Besitzer war der Textil- und Kurzwarenhändler Peter Jenni; nachdem ein Seidenband-Unternehmen gescheitert war, musste er 1775 an Johannes Mauerhofer und Bendicht Jenni verkaufen. Rund zweihundert Jahre lang war das Haus Sitz der Käsehandelsfirma Mauerhofer und blieb dabei kaum verändert: Im grossen Gewölbekeller lagerten die Käse auf Holzgestellen und wurden mit einem Aufzug in den Expeditionsraum im Erdgeschoss gehoben. In der zweigeschossigen Scheune standen unten die Pferde, die die Käselaibe transportierten, und im Obergeschoss wurden die Holzzuber für die Verpackung gefertigt. Das Wasch- und Ofenhaus von 1757 wurde 2016 vorbildlich restauriert.

10. Gasthof Bären, Trubstrasse 1. Der heutige Bau stammt im Wesentlichen von 1800, enthält aber einen Kern von 1698. Ein elfachsiger Ständerbau mit Knickschopfwalmdach und weit geschwungener, bemalter Ründi (bemalt 1937, erneuert 1974, restauriert 2009) sowie einem grossen geschnitzten Bären des Brienzer Bildhauers Huggler. Der Gasthof ist erstmals 1356 urkundlich erwähnt und erhielt 1569 das Tavernenrecht; der Vorgängerbau brannte am 21. Januar 1697 nieder und wurde zwischen 1698 und 1734 wieder aufgebaut. Seit 1734 heisst er Gasthof Bären, und die offizielle Broschüre nennt ihn den ältesten «Bären» der Schweiz.

11. Scheuerhaus und Wohn- und Geschäftshaus, Dorfstrasse 14 und 12 – zwei zusammengebaute Häuser, weshalb die offizielle Karte nur eine Markierung 11a/b verwendet.
11a – Scheuerhaus, Dorfstrasse 14, um 1830. Benannt nach einer Scheune, die einst auf der Trubseite anschloss; es ist das einzige Gebäude in Trubschachen mit einem aufwendigen Mansard-Walmdach.
11b – Wohn- und Geschäftshaus, Dorfstrasse 12, Mitte 18. Jahrhundert. Ein ungewöhnlicher dreigeschossiger Ständerbau mit grauer Schindelverkleidung, Ecklisenen, Gurten und einer grossen Estrichtür mit Aufzugsvorrichtung. In diesem Komplex beziehungsweise in seinen Vorgängerbauten lebte und arbeitete der bekannte Berner Orgelbauer Mathias Schneider (1775–1838); im frühen 19. Jahrhundert galt er als bedeutendster Orgelbauer im Kanton Bern und darüber hinaus.
12. Kirche Trubschachen, Dorfstrasse, 1891–92 (einzelne Quellen nennen 1890–92), erbaut unter Rudolf Ischer. Wegen mangelhafter Bauqualität waren bereits 1922 Reparaturen nötig; der Turm musste wegen Steinschlaggefahr vollständig abgetragen und in der heutigen Form neu errichtet werden. 1968 folgte eine weitere Renovation mit starken Eingriffen im Innern (Boden, Decke, Mobiliar, Fenster, Orgel), zwei neuen Glocken und drei neuen Chorfenstern des Künstlers Fred Stauffer. Bemerkenswert: Trubschachen wurde erst 1874 eigenständige Kirchgemeinde – die Kirche ist also jünger als die Selbständigkeit des Dorfes.

13. Baugruppe Mühle, Mühlestrasse 3.
13a – Getreidemühle, 1739. Zwei Geschosse des ursprünglichen verputzten Baus mit Sandsteingewänden an Türen und Fenstern sind erhalten; in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam ein Obergeschoss in Riegbauweise hinzu. Anstelle des alten Mühlerads treibt das Wasser des Mühlekanals heute eine elektrische Turbine an, vorwiegend für den Eigenbedarf. 1860 kam die Mühle in den Besitz der Familie Haldemann und mahlt seit Generationen das Mehl für die berühmten Kambly Bretzeli.
13b – Wohnhaus, 1845. Ein sechsachsiger Riegbau mit kleinem Ökonomieteil, Klebdach und Ründi.
13c – Spritzenhaus, 1857. Das ehemalige Feuerwehr-Spritzenhaus, heute Materialschopf: ein einfacher Ständerbau unter vollem Walmdach mit Biberschwanzziegeln.

Wenn die Zeit knapp ist
Fünf Stationen vermitteln das Emmental des 18. und 19. Jahrhunderts am besten: Nr. 4 Hasenlehn → Nr. 5 Heimatmuseum → Nr. 6 Himmelhaus → Nr. 9 Mauerhoferhaus → Nr. 10 Gasthof Bären.
Ebenso lohnend sind die alten Häuser rund um die Kirche und einfach ein Gang die Dorfstrasse entlang – dort ist der alte Charakter des Dorfes am stärksten spürbar.

Die offizielle Routenkarte
Legende, entsprechend der Nummerierung der offiziellen Broschüre:

Nr. | Gebäude | Nr. | Gebäude | Nr. | Gebäude |
|---|---|---|---|---|---|
1 | Bahnwärterhäuschen | 5b | Stöckli (1783) | 9 | Mauerhoferhaus |
2 | Seilerei Jakob | 5c | Speicher (1785) | 10 | Gasthof Bären |
3 | Gasthof Hirschen | 6 | Himmelhaus | 11a/b | Scheuerhaus und Wohn-/Geschäftshaus |
4a | Speicher (1683) | 7a | Wohn- und Geschäftshaus, Dorfstrasse 19 | 12 | Kirche Trubschachen |
4b | Doppelbauernhaus | 7b | Bählerhaus | 13a | Getreidemühle (1739) |
4c | Stöckli | 7c | Krämerhaus (Dorfstrasse 7) | 13b | Wohnhaus des Müllers (1845) |
5a | Bauernhaus | 8 | Ehemalige Bäckerei Kambly | 13c | Ehemaliges Spritzenhaus (1857) |

Heimatmuseum Trubschachen
Nach den Bauten des Rundgangs wartet in Trubschachen eine weitere sehr interessante Station – das Heimatmuseum, Nr. 5 auf dem Rundgang. Getragen wird es von der Stiftung Hasenlehn, die 1979 vom Lehrer Walter Berger und vom Unternehmer Oscar J. Kambly gegründet und 1982 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Lokalgeschichte, Wohnkultur und das Handwerk der Region sind hier gleichermassen vertreten: eine vollständig eingerichtete Wohnung im Stöckli von 1783, eine Käserei mit Feuerwehrwagen, eine Nagelschmiede, Sattlerei und Schuhmacherei sowie eine Sammlung von Haushalts-, Landwirtschafts- und Werkstattgeräten im Speicher von 1785, in dem auch wechselnde Sonderausstellungen gezeigt werden.
Die Museumssaison dauert von Anfang April bis Ende Oktober (die genauen Daten für Saisonbeginn und -ende ändern von Jahr zu Jahr – vor der Reise nachschauen lohnt sich).

Reguläre Öffnungszeiten: sonntags, 13.30–16.30 Uhr.
Eintritt: für Einzelbesucherinnen und -besucher am Sonntag frei, ein freiwilliger Beitrag ist willkommen. Führungen für Gruppen ausserhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung (rund CHF 10 pro Erwachsenen, CHF 5 pro Kind).
Kontakt: +41 34 495 60 38, [email protected], https://stiftung-hasenlehn.ch/heimatmuseum/
Der Besuch hinterlässt einen starken Eindruck. Im Museum arbeiten gewöhnliche Einwohnerinnen und Einwohner von Trubschachen, die gerne jedes Ausstellungsstück erklären, die Objekte in Betrieb vorführen und vom Dorfleben erzählen. Es lohnt sich deshalb, etwas mehr Zeit einzuplanen, als die Exponate allein erfordern würden – es geht hier ebenso sehr um lokale Kultur und Gespräch wie um die Sammlung.
Ein praktischer Hinweis: Im Bauernhaus derselben Gruppe befinden sich die Schautöpferei Aebi und das Café Restaurant Töpferei, die eigene, deutlich längere Öffnungszeiten haben. So gibt es in dieser Ecke des Dorfes auch ausserhalb des Sonntags etwas zu sehen und einen Ort zum Verweilen.
Das Kambly Erlebnis
Das Kambly Erlebnis ist die moderne Visitenkarte des Dorfes. Kambly ist der bekannte einheimische Biscuit-Hersteller; die Geschichte ist hier industriell und gastronomisch, 20. und 21. Jahrhundert statt Vergangenheit – für das Verständnis des Dorfes ist der Ort aber wichtig. Kambly ist seit 1910 der grösste Arbeitgeber, und die offiziellen Tourismus-Listen führen das Erlebnis gleichberechtigt neben dem Museum, den historischen Bauten und den Wanderwegen in den umliegenden Hügeln auf.

Im Kambly Erlebnis lassen sich sämtliche aktuell produzierten Sorten probieren – rund 100 an der Zahl. Neuheiten und die beliebtesten Linien können im Fabrikladen degustiert und gekauft werden; oft gibt es Rabatte auf einzelne Guetzli oder andere Produkte sowie Geschenk- und Souvenirsets, die es sonst nirgends gibt. Dazu kommen ein Café, eine Schauconfiserie, in der man den Maîtres Confiseurs bei der Arbeit zusehen kann, und ein Backatelier; Backevents für Kinder und Gruppen finden nach Voranmeldung statt.
Die Degustation ist völlig kostenlos, was viele in Versuchung führt – zugleich ist sie eine ernsthafte Belastung für den Magen, weshalb diese besonders wohlschmeckende Sehenswürdigkeit mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen ist. :)
Zwischen Bahnhof und Kambly Erlebnis verläuft der Produktionspfad, der jeden Schritt vom Teigrühren bis zum Versand in alle Welt erklärt – der natürliche Weg vom Zug ins Erlebnis.
Kambly Erlebnis, Mühlestrasse 8, 3555 Trubschachen
Montag–Freitag: 09.00–18.00 Uhr
Samstag–Sonntag: 09.00–17.00 Uhr
Geschlossen an Karfreitag, Ostersonntag, Auffahrt, Pfingstsonntag, Weihnachten und Stephanstag, an weiteren Feiertagen verkürzte Öffnungszeiten – vor einem Feiertagsbesuch lohnt sich ein Blick auf den Kalender unter https://kambly.com/de/oeffnungszeiten/
Anreise: der Kambly-Zug
Die Stimmung des Tages kann schon vor dem Dorf beginnen. Die RegioExpress-Züge der BLS verkehren stündlich zwischen Bern und Luzern durch das Emmental und das Entlebuch – rund 35 Minuten ab Bern, rund 47 ab Luzern, ohne Umsteigen –, und einige davon sind der Kambly-Zug.
Er entstand 2010, als der bekannteste Biscuit-Hersteller der Schweiz sein 100-Jahr-Jubiläum feierte, und verbindet seither Bern, Trubschachen und Luzern sowie die Ausflugsziele entlang der Strecke. Der weisse Zug ist aussen mit Bildern von Kambly-Guetzli gestaltet; im Innern gibt es grosse Panoramafenster, Steckdosen, einen speziell eingerichteten Familienbereich und eine Bistrozone, in deren Automaten – wenig überraschend – neben Getränken, Kaffee, Tee und Suppen auch Kambly-Spezialitäten erhältlich sind. Seit Dezember 2024 kommt modernes MIKA-Rollmaterial mit Niederflureinstiegen für Rollstühle und Kinderwagen zum Einsatz.
Der Kambly-Zug verkehrt von Dienstag bis Sonntag; montags bedienen gewöhnliche MIKA-Züge dieselbe Strecke. Zuletzt galten die Abfahrten ab Luzern um 07.57 und 13.57 Uhr sowie ab Bern um 09.36 und 15.36 Uhr – vor der Fahrt im aktuellen Fahrplan prüfen, da sich die Zeiten mit jedem Fahrplanwechsel verschieben können.
Ein praktischer Hinweis: Es handelt sich um einen Flügelzug mit zwei Zielen. Wer in Luzern, Malters oder Wolhusen einsteigt, nimmt den vorderen Zugteil Richtung Trubschachen–Bern.
Vom Bahnhof sind es rund 200 m bis zum Kambly Erlebnis, dazwischen verläuft der Produktionspfad – wer dem Kambly-Zug entsteigt, ist also gewissermassen bereits mitten in der Geschichte.
Für alle, die einen ganzen Tag Zeit und Freude an Bahnfahrten haben, gibt es zudem die Kambly Rundreise: Bern–Trubschachen–Luzern–Brienz–Interlaken–Bern, rund 200 km über den Brünig und entlang fünf Seen, inklusive Eintritt ins Kambly Erlebnis. Die Rundreise kann an jedem Punkt und in beide Richtungen begonnen werden und ist im Swiss Travel Pass und im GA enthalten. Von April bis Oktober lässt sich die Etappe Brienz–Interlaken auch per Schiff zurücklegen.

Eine kurze, aber fast vollständige Geschichte von Trubschachen
Trubschachen ist ein kleines Emmentaler Dorf, dessen Geschichte im 12. Jahrhundert beginnt. Um 1130, bei der Gründung des Klosters Trub, gehörte dieses Gebiet zusammen mit Marbach, Schangnau und Escholzmatt zum Bezirk der Benediktinerabtei Trub. Der Name geht auf «Schachen» zurück – Gebüsch an einem See oder Fluss, später auch Wiesland an solchen Stellen. Im Mittelalter gab es hier verstreute Bauernhöfe und eine kleine Siedlung an Strasse und Fluss, auf dem Weg zwischen Bern, dem Emmental und Luzern. Lange Zeit waren die Bewohner verwaltungsmässig und kirchlich von den Nachbargemeinden Lauperswil, Trub und Langnau abhängig.
Die Selbständigkeit kam schrittweise. Der Kirchgang nach Lauperswil war beschwerlich, da es über Emme und Ilfis keine richtigen Brücken gab; erst 1531 durften die Bewohner des Lauperswilviertels die näher gelegenen Kirchen von Trub und Langnau besuchen – ein Recht, das sie sich «mit einem Mäss gesottener Anken ab jedem Haus» erkaufen mussten. (Das Historische Lexikon der Schweiz datiert eine entsprechende Erlaubnis für das innere Viertel auf 1506.) 1666 wurden die Höfe des Viertels auf die beiden Kirchgemeinden verteilt: Wingei, Ortbach, Blapbach und Hegen kamen zu Langnau, Steinbach, Grauenstein, Schwand und Schachenhaus zu Trub. An diese Teilung erinnern die beiden sechsstrahligen Sterne im heutigen Gemeindewappen; das Antoniuskreuz im unteren Teil des Schildes ist dem Heiligen gewidmet.
1727 wurde in Trubschachen eine Helferei für das obere Emmental eingerichtet, ab 1735 mit einer Schule. 1777 trennte der Landvogt von Trachselwald das Lauperswilviertel endgültig von der Mutterkirchgemeinde ab; er ermunterte die auf drei Gerichtsbarkeiten verteilten Dorfbewohner, als eine Gemeinschaft zu handeln, und liess «eine Feuerordnung für das Dörfli im Trubschachen» erstellen. Ähnlich verbindend wirkte die 1827 gegründete gemeinsame Käserei, über alle alten Grenzen hinweg.
Im 19. Jahrhundert beschleunigte sich der Prozess. 1809 erhielt das Dorf sein erstes Tellreglement. Am 7. März 1838 wurde das erste vollständige Reglement der Einwohnergemeinde genehmigt, und am 8. Dezember 1840 löste sich die Gemeinde Lauperswilviertel vollständig von den politischen Gemeinden Langnau und Trub. Bestätigt wurde die Selbständigkeit durch das bernische Gemeindegesetz von 1852. Bis dahin hiess der Ort offiziell Lauperswilviertel; auf einen Regierungsratsbeschluss vom 23. Dezember 1867 hin trat der Name Trubschachen am 1. Januar 1868 in Kraft. Erst 1923, nach Grenzbereinigungen mit den Nachbarn, erhielt die Gemeinde ungefähr ihre heutige Ausdehnung.
Im 19. und 20. Jahrhundert lebte das Dorf von der Landwirtschaft, der Käserei, der Talstrasse, der Eisenbahn (Linie Bern–Luzern seit 1875) und dem Kleingewerbe. Eine besonders wichtige Rolle spielte Kambly, dank dem Trubschachen weit über das Emmental hinaus als Ort der Schweizer Guetzli-Produktion bekannt wurde; dazu kommen die Seilerei Jakob, Holzverarbeitung und Baufirmen. Die seit 1964 periodisch stattfindenden Kunstausstellungen sind ebenfalls weit über die Region hinaus bekannt. Kurz: Die Geschichte von Trubschachen ist die Geschichte einer kleinen ländlichen Siedlung, die aus mittelalterlichen Höfen erwuchs, sich Schritt für Schritt die Selbständigkeit erkämpfte und den Charakter eines traditionellen Emmentaler Dorfes bewahrte.

Der ideale Tag für Trubschachen ist der Sonntag, weil dann das Heimatmuseum offen ist. Wer vier bis fünf Stunden zur Verfügung hat, wählt am besten diese Route:
Bahnhof → alter Dorfkern und Dorfrundgang → Heimatmuseum → Degustation bei Kambly und ein Vorrat an Guetzli für zu Hause.
Ist es kein Sonntag, lässt sich das Museum durch einen kurzen Spaziergang aus dem Dorf hinaus in die Hügel ersetzen – oder durch die Schautöpferei und das Café im selben Hof, die auch an anderen Tagen geöffnet sind.
Für die volle Wirkung reist man mit dem Kambly-Zug an und nicht mit dem Auto: Ein mit Guetzli bemalter RegioExpress, der in ein hölzernes Emmentaler Dorf einfährt, ist der richtige Auftakt für den Tag – und die Degustation am Schluss muss nicht gegen die Heimfahrt abgewogen werden.
Zwei Dinge vor der Abreise prüfen: Das Heimatmuseum ist nur von April bis Oktober geöffnet, und das Kambly Erlebnis bleibt an Ostersonntag und Pfingstsonntag geschlossen – also genau an jenen Sonntagen, die man sonst wählen würde.

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